Vom Papier auf den Körper


SITZT ALLES? Die technische Oberlehrerin Gabriele Stäbler (links) überprüft das Kleid von Sylvia Herrmann.


UNIKATE sind die Stücke, die die angehenden Designer der Modeschule Bruchsal entworfen, zugeschnitten und genäht haben. Denny Wedel ist einer der wenigen Schüler in diesem Ausbildungs-bereich.     (Fotos: Alàbiso)

Modeschüler lernen am Bruchsaler GBZ


Bruchsal (Nicolle Jannarelli). Die Bügelstationen dampfen, die Nähmaschinen rattern und im Stofflager herrscht ein reges Kommen und Gehen. Die Schülerinnen und (einzelnen) Schüler der Modeschule Bruchsal sind mächtig eingespannt. Schließlich bereiten sie gerade ihre Kreationen für ihre Modenschau im Sommer vor. Im Bürgerzentrum in Bruchsal werden sie dann ihre Stücke vorführen. Designer, Schneider, Model – jeder Schüler übernimmt diese Aufgaben für sich in Personalunion.

Angegliedert ist die Vollzeitausbildung an die Balthasar-Neumann-Schule 2 des Gewerblichen Bildungszentrums (GBZ) in Bruchsal. 50 Auszubildende in drei Jahrgängen wollen zu staatlich geprüften Designern werden. Eine aussagekräftige Bewerbungsmappe inklusive Zeichnungen sowie eine Prüfung galt es vor der Aufnahme an der Schule zu schaffen. „Die Jugendlichen brauchen mindestens einen Realschulabschluss“, berichtet Angelika Schwab, Lehrerin für Modezeichnen, Illustration und Gestaltung sowie Koordinatorin der Modenschau.

Vor allem am Anfang sei es für die Schüler eine Herausforderung, einen Entwurf dann auch in einen Schnitt umzusetzen. Also, die Idee vom Papier auf den Körper zu bringen, berichtet die Lehrerin. Daher sei beim Zeichnen gerade die räumliche Wahrnehmung gefordert. Überhaupt sei die Ausbildung anspruchsvoll. „Wir wollen die Schüler auf die Realität in den Betrieben vorbereiten und ihnen zeigen, dass der Entwurf nicht alles ist, sondern noch viele Schritte folgen“, sagt Schwab.

Neben der Arbeit für die alljährliche Modenschau, an der alle Klassen beteiligt sind, gibt es noch weitere Facharbeiten und Projekte, die im Laufe eines Schuljahres erledigt sein wollen. Einige Schüler machen nebenbei noch die Fachhochschulreife. „Die Ausbildung ist wirklich sehr zeitaufwendig und intensiv“, berichten auch Sue Melzer und Jessica Lieder. Die beiden sind in der Abschlussklasse und berichten, dass sie zu Beginn eine ganz andere Vorstellung gehabt haben. „Man nimmt sich oft Arbeit nach Hause“, sagt Jessica. Aber sie ist sich mit Sue einig: „Wenn man dann das Oberteil mal näht, das man entworfen hat, wenn man sieht, was man geschaffen hat, fühlt sich das richtig gut an.“ Architektur – das ist das Oberthema der Modenschau in diesem Jahr. Die Schüler im dritten Ausbildungsjahr haben Schwerpunkte gesetzt – Tipi, Golden Gate Bridge, Burg Eltz und Bird’s Nest (das Pekinger Olympiastadion) grenzen ihre Arbeiten ein. Dazu kommen noch Rahmenbedingungen, die etwa die Silhouette oder das Farbkonzept vorgeben. Anhand einer Materialstückliste müssen sie festlegen, was sie für das Kleidungsstück brauchen.

Später einmal können die jungen staatlich geprüften Designer in der Industrie arbeiten. „In der Regel haben sie nach den drei Jahren bei uns, einen Schwerpunkt gefunden. Sie arbeiten dann im Entwurf, Schnitt oder Einkauf“, berichtet Angelika Schwab. Dafür müsse man häufig auch bereit sein, ins Ausland zu gehen. Andere entscheiden sich für ein Studium.