Behinderte Jugendliche an der BNS2

Seit 26. März 2009 sind die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und ihr Fakultativprotokoll nun auch für Deutschland verbindlich. Nachdem eine Delegation aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Ratifikationsurkunde 30 Tage zuvor bei den Vereinten Nationen in New York hinterlegt hatte, ist Deutschland 50. Vertragspartei der Konvention geworden. Die UN-Behindertenrechtskonvention von 2006 stellt einen Meilenstein in der Behindertenpolitik dar, indem sie den Menschenrechtsansatz einführt und das Recht auf Selbstbestimmung, Partizipation und umfassenden Diskriminierungsschutz für Menschen mit Behinderungen formuliert sowie eine barrierefreie und inklusive Gesellschaft fordert.

Behinderte Kinder und Jugendliche haben ab sofort das Recht, gemeinsam mit nicht behinderten Kindern und Jugendlichen eine allgemeine Schule zu besuchen. Nach der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) gilt dieser Anspruch für den einzelnen Menschen unabhängig von anders lautenden Schulgesetzen.

Kooperative berufliche Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erste Erfahrungen mit der Beschulung von Behinderten Jugendlichen an einer Beruflichen Schule gesammelt.

KoBV ist eine "Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme" für geistig behinderte und lernbehinderte Jugendliche im Auftrag des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg – Integrationsamt und der Agentur für Arbeit. Erstmals bündeln die KoBV Angebote der schulischen und beruflichen Bildung von Arbeitsagentur, Integrationsfachdienst, Sonderschule, Beruflicher Schule und Werkstätten für behinderte Menschen. Diese Kooperation ermöglicht einen barrierefreien Übergang von der Schule in die allgemeine Arbeitswelt. Statt eines seriellen Angebotes an Bildungsmaßnahmen sollen die notwendigen Leistungen gebündelt und nebeneinander erbracht werden. An drei Tagen in der Woche trainieren die Schüler die beruflichen Anforderungen in einem vom Maßnahmeträger (Lebenshilfe Bruchsal-Bretten) betreutes Langzeitpraktikum. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen arbeitsrelevante Kompetenzen und soziale Fähigkeiten unter den Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes entwickeln, erproben und festigen. In der restlichen Woche findet ein modullhafter Unterricht an der Balthasar-Neumann-Schule II statt, der vergleichbar mit dem Umfang des Berufschulunterrichts in einer dualen Ausbildung ist. Dort werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sonderpädagogisch und berufsschulisch auf betriebliche Anforderungen und auf ein weitgehend unabhängiges Leben vorbereitet. Ihnen soll dadurch die selbstbestimmte Teilhabe am Arbeitsleben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglicht werden.  Teilnehmen können Absolventen der Werkstufe der Schule für geistig behinderte Menschen. Absolventen aus Förderschulen, Schüler der Schulform VAB, die aufgrund einer Behinderung für das Ereichen allgemeiner schulischer und beruflicher Bildungsziele eine besondere Förderung erhalten müssen. Die Anmeldung erfolgt über die Agentur für Arbeit.  Über die Aufnahme entscheidet die Agentur für Arbeit auf Basis einer Kompetenzanalyse einvernehmlich mit dem Maßnahmeträger. Die Dauer der Maßnahme beträgt in der Regel 11 Monate und kann bei Bedarf auf 18 Monate verlängert werden.

Ab Herbst 2008 wurde an der BNS II mit Kooperation der Karl-Berberich-Schule Bruchsal Schule für geistig Behinderte nach einer erfolgreichen Entwicklungsphase in mehreren Modellregionen die bisherigen Pilotprojekte "Berufvorbereitende Einrichtungen" (BVE) und "Kooperative Bildung und Vorbereitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt" (KoBV) miteinander verzahnt und eingeführt. Neu dabei ist, dass sowohl für die schulische Vorbereitung als auch für die berufliche Bildung Betriebspraktika angeboten werden, um die Jugendlichen frühzeitig mit der Arbeitswelt vertraut zu machen.

In den Kooperationsklassen der BVE werden sowohl die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Jugendlichen gefördert als auch arbeitsmarktrelevante Fähigkeiten und Kenntnisse erprobt und vertieft. Dabei verfolgen die Lehrkräfte einen ganzheitlichen Ansatz. Dies geschieht beispielsweise durch Mobilitätstraining, in dem die Jugendlichen lernen, sich alleine im öffentlichen Verkehr fortzubewegen, oder durch selbstgeplantes Einkaufen und Kochen, bei dem sie eigenständige Haushaltsführung erlernen. Die Schüler besuchen die Vollzeitschule BVE in der Regel zwei Jahre. Die Dauer kann aber je nach individuellen Fähigkeiten sowie Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten des Einzelnen verkürzt oder verlängert werden.

Durch die Bildungsgänge BVE und KoBV bekommen Jugendliche der Schulen für geistig Behinderte sowie behinderte Absolventen der Förderschulen die Chance schulisch und betrieblich so gefördert zu werden, dass die Integrationsquote in den allgemeinen Arbeitsmarkt bei über 70 Prozent liegt.

Diese Erfahrungen, die die Lehrkräfte an der Balthasar-Neumann-Schule II bei der Beschulung behinderter Schüler sammeln, kann bei einer etwaigen integrativen Betreuung von behinderter Jugendlichen von großem Wert sein.

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